Die toom Selbermacher: Ein Schlitten entsteht

Zwischen Handwerkskunst und Kindheitserinnerungen

Jede hochwertige Handarbeit steckt voller Leidenschaft, Neugierde und manchmal auch einer Prise Frustration, wenn es nicht auf Anhieb gelingt. Bereits als Junge war Bernhard fasziniert davon, Großes mit den eigenen Händen zu erschaffen - heute führt er die alte Traditionskunst des Schlittenbauens schon in dritter Generation fort. Er weiß, auf welche Feinheiten und Kniffe es ankommt und schlägt bei seiner Arbeit die Brücke zwischen handwerklichem Geschick und Erinnerungen an seine Kindheit stets aufs Neue.

Die Person

Name: Bernhard
Alter: 28 Jahre
Beruf: Wissenschaftlicher Mitarbeiter / Schlittenbauer

  • Schon als Kind lernte er dank seines Vaters das handwerkliche Arbeiten und den Umgang mit Holz.
  • Eigentlich ist Bernhard wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Mathematik und promoviert aktuell in diesem Fachgebiet, mit einem Freund bietet er seit einiger Zeit jedoch Schlittenbaukurse an (dein-tagewerk.de) und fand so den Weg zum Traditionshandwerk zurück.
  • Er führt nun eine Schlittenfabrik, die ab den 60er Jahren von seinem Großvater übernommen wurde, bereits in dritter Generation fort.
  • Bernhard verbindet das Schlittenbauen vor allem mit emotionalen Erlebnissen aus der Kindheit und möchte anderen Familien diese nostalgische Freude mit auf den Weg geben. 

Das Projekt

toom suchte echte Selbermacher und fand einen davon in Schlittenbauer Bernhard. Schon im Alter von zehn Jahren durfte er seinem Vater beim Bau eines echten Holzschlittens zusehen und auch ein wenig unter die Arme greifen. Heute führt er das Traditionshandwerk fort und bringt anderen bei, wie sie ihren eigenen Rodel bauen können. 

Bernhard zeigt, dass es nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch auf die Leidenschaft und das Ausprobieren beim Bau selbst ankommt. Erst durch die investierte Zeit erkennt man den echten Wert der handwerklichen Kunst und kann sich so ganz nach eigenen Wünschen kleine Handwerksträume erfüllen. 

Das Interview

Wann bist du das erste Mal mit dem Bau eines Schlittens in Berührung gekommen?

Als noch produziert wurde war ich relativ jung, nicht älter als 10 Jahre. Da habe ich natürlich noch nicht selbst einen Schlitten gebaut, aber ich wollte gerne dabei sein, einfache Handlangerarbeiten durfte ich dann als Kind machen. Das handwerkliche Arbeiten habe ich also von meinem Vater gelernt als Kind.

Du promovierst aktuell im Fach Mathematik, wie hast du denn den Weg zum Handwerk zurückgefunden?

Ich habe zwar jetzt beruflich eine andere Laufbahn eingeschlagen, aber das Arbeiten mit Holz hat mich nie so wirklich kalt gelassen. Irgendwann hat mich ein Freund, der Handwerkskurse anbietet, gefragt, ob wir nicht zusammen einen Schlittenbaukurs anbieten wollen. Wir haben auch darüber gesprochen, dass mein Opa eine Schlittenfabrik hatte - jetzt bringe ich anderen Leuten das Schlittenbauen bei. Beim  ersten Kurs waren sechs Leute da, die einen Schlitten gebaut haben. Am Ende des Wochenendes sind alle mit einem fertigen Schlitten wieder nach Hause gefahren, das war einfach ein sehr schönes Erlebnis. Es hat mich wirklich gefreut, dass junge Familienväter dann am Ende des Kurses einen Schlitten mit nach Hause genommen haben.

Ich glaube, an vielen Schlitten hängt sehr viel Erinnerung. Viele haben als Kind mal einen Schlitten bekommen und ihn dann weiterverschenkt an ihre Kinder. Wenn man sieht, dass die eigenen Kinder mit dem selbstgebauten Schlitten den Hang runterrodeln, ist es einfach nochmal ein schöneres Gefühl, als wenn man einen gekauften Schlitten hat.

Gibt es etwas besonderes, das du mit dem Bau eines Schlittens verbindest?

Ich glaube, am stärksten ist mir wohl der Geruch von frisch gehobeltem und gesägtem Holz in Erinnerung geblieben. Mein Opa hatte eine Schlittenfabrik im Schwarzwald. Schon sein Vater, also mein Urgroßvater, war Schlittenbauer und mein Opa hat dann Anfang der 60er Jahre diesen Betrieb übernommen sowie vergrößert. Er hat eine neue große Werkstatt und eine kleine Fabrikhalle gebaut und dort Schlitten hergestellt. 

Mit drei Generationen gleichzeitig in der Werkstatt zu sein ist im Nachhinein betrachtet eine schöne Sache, an die ich mich gerne zurück erinnere.

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